Teddy Bridgewater: Talking ‚bout a steal!

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Einst ging Teddy Bridgewater als Nummer-1-Quarterback in die Draft-Vorbereitung – bis sein Pro Day urplötzlich eine Lawine an Kritik los trat. Bridgewater lieferte ein schwaches Show-Training ab und seine starken Leistungen in der Saison waren für viele auf einmal vergessen. Die Minnesota Vikings ergriffen ihre Chance, per Trade schnappten sie sich den letzten Pick der ersten Runde. Und sie wurden belohnt.

Zunächst ging Matt Cassel als Starter in die Vorsaison, doch der Routinier brach sich früh in der Saison den Fuß und so schlug die Stunde des Rookies. Bridgewater stand beim 41:28 über die Atlanta Falcons in Week 4 erstmals in der Startformation, und die Vikings blickten nie zurück.

Der 22-Jährige zeigte von Beginn an vielversprechende Auftritte aus der Pocket, bewies auch in brenzligen Situationen Ruhe und traf für einen Rookie erstaunlich wenige falsche Entscheidungen.

Nur wenige Sacks gingen hinter der wackligen O-Line (sechstschwächste Pass Protection laut Advanced Stats) wirklich auf sein Konto und auch die Reads waren beeindruckend fortgeschritten, für mich der größte und wichtigste Pluspunkt – auch wenn er nie den stärksten Arm der Liga haben wird und an seiner Genauigkeit noch arbeiten muss. So viel sei vorweg genommen: Die Vikings dürften noch viel Freude an ihrem jungen Quarterback haben.

Die Würfe: Von wegen nur Checkdowns

Bridgewater hatte schnell den Ruf als Checkdown-QB weg, der nur die sicheren Würfe wählt, aber seinem Team so nicht dabei hilft, Spiele zu gewinnen. Ein Kritikpunkt, der durch das Videostudium getrost zu den Akten gelegt werden kann.

Zunächst drei Punkte: Minnesota hatte nicht nur eine der schwächsten O-Lines der Liga was Pass Protection angeht, auch fehlte Star-RB Adrian Peterson gesperrt, Pro-Bowl-TE Kyle Rudolph fehlte verletzt und WR Cordarrelle Patterson tauchte komplett unter. Kurzum: Bridgewater hatte oft kaum eine Chance, ein Passspiel mit tiefen Route-Konzepten aufs Feld zu bringen.

Darüber hinaus sind die Checkdowns auch ein entscheidendes Element von Offensive Coordinator Norv Turner, dessen Konzept unter anderem auf den Deep Routes basiert, um so Platz für die Checkdowns zu schaffen.

Doch all die Ursachen und Erklärungen beiseite, ein Blick auf die tatsächlichen Zahlen. Verglichen werden hier die jeweiligen Rookie-Spielzeiten der Quarterbacks und die prozentuale Wurfanzahl bestimmter Yard-Distanzen:

Bridgewater Würfe I

Turner und Head Coach Mike Zimmer reagierten außerdem schließlich auf die Verletzung von Tackle Phil Loadholt im letzten Saisondrittel und gaben Bridgewater mehr Möglichkeiten. WR-Screens und Play-Action-Rollouts gehörten jetzt verstärkt zum Arsenal der Vikings und erlaubten es dem Rookie, sich schneller zurecht zu finden.

Auch Bunch-Routes, bei der mehrere Receiver auf einer Seite postiert sind, gaben Bridgewater mehrere Reads zur Auswahl, und der Youngster, der seine Reads schnell und korrekt durchgehen kann, belohnte das mit verbesserten Passzahlen. Ab Week 13 gegen Carolina, das erste Spiel ohne Loadholt, gelangen Bridgewater acht TD-Pässe und 8,8 Yards pro Pass-Versuch – 1,5 Yards mehr als sein gesamter Saisonschnitt.

Allein die Touchdowns zu Kyle Rudolph gegen die Panthers per Play Action sowie der finale OT-TD zu Jarius Wright per WR-Screen zeigen genau diesen Effekt und sind zum Studium der Umstellungen wärmstens empfohlen.

Teddys Saison unter der Lupe

Die Zahlen: 13 Spiele, 2.919 YDS, 64,4% Comp. Perc., 14 TD, 12 INT, 209 Rushing-Yards

Doch wie sah das im Detail aus? Was macht Bridgewater aus? Beim Video-Studium springt direkt seine Ruhe in der Pocket ins Auge. Während etwa ein Colin Kaepernick instinktiv versucht, bei Druck aus der Pocket zu kommen, bewahrt Bridgewater seine Ruhe und gibt den Receivern Zeit, sich von ihren Gegenspielern zu lösen. Dabei steckt er durchaus auch den einen oder anderen großen Hit ein.

Dabei ist seine Ruhe auch in Zahlen messbar: Von den in der obigen Tabelle aufgeführten Quarterbacks war nur Andrew Luck in dessen Rookie-Saison bei Third und Fourth Down Conversions besser (51%). Es folgen Bridgewater und Wilson mit je 43 %, dann Tannehill (40%), RG III und Carr (je 39%) und schließlich Bortles (36%).

Gleichzeitig weiß er, wann es an der Zeit ist, die Beine in die Hand zu nehmen und zu laufen, ähnlich wie etwa Aaron Rodgers. So ist es keine Überraschung, dass sein erster NFL-TD ein improvisierter 11-Yard-Run im ersten Start gegen die Falcons war.

Auffällig ist ebenfalls, wie wenige schwerwiegende Fehler sich der Rookie erlaubte. Von den ersten sechs Interceptions gingen nur zwei (!) wirklich auf Bridgewaters Kappe: Beim ersten Pick gegen Detroit, als ihn seine O-Line sträflich im Stich ließ (8 Sacks), übersah er bei einem Wurf über die Mitte in die Endzone den Safety oder las dessen Bewegung falsch. Einige Wochen später gegen Green Bay schließlich kam sein Wurf zu Greg Jennings viel zu kurz und wurde abgefangen.

Davon abgesehen handelte es sich bei den Picks um drei abgefälschte Würfe, darunter auch fangbare Bälle, die die eigenen Receiver nicht festhielten, sowie einen Hail Mary.

Die Touchdown-Pässe zeigten derweil mehrfach genau, was Bridgewater ausmacht. Exemplarisch hierfür der Touchdown beim 19:13 über Tampa Bay:

TD Tampa

Die Pocket hielt nicht lange, Bridgewater blieb aber stehen und steckte Sekundenbruchteile nach dem Wurf einen doppelten Hit ein. Doch er liest die Route, der Safety war zu spät und Jennings, der Receiver auf der rechten Seite hatte die Outside gegen den CB. Das Result: Ein perfekter 17-Yard-TD-Pass.

Auch beim 29:26 gegen Washington gelang Bridgewater ein sehenswerter Touchdown:

TD Washington

Bridgewater erkannte, dass es einen Fehler in der Secondary der Redskins gab und Tight End Chase Ford frei Richtung Endzone lief. Statt dem sicheren kurzen Pass zum freien Running Back blieb Bridgewater wieder ruhig in der Pocket und fand den freien Mann mit einem exakten Pass. Der richtige Read, der richtige Wurf, Touchdown.

Vor allem seine hohe Spielintelligenz und sein hohes Spielverständnis kommen immer wieder durch, auch wenn er vergleichsweise freie Receiver bei Deep Routes noch zu häufig verpasste. Allerdings hatte er hier auch einige Bilderbuch-Würfe: Unter anderem sei der 56-Yard-TD zu Charles Johnson gegen die Jets hier erwähnt.

Die Kritik: Die Accuracy

Neben den Problemen bei den Deep Balls gab es vor allem in Bridgewaters erster Saisonhälfte Kritik an seiner Passgenauigkeit und auf den ersten Blick fällt das auch gelegentlich auf. Doch die genaueren Stats mit den Adjusted Completion Percentages (Erklärung hier) sprechen eine andere Sprache. Wieder sind die jeweiligen Rookie-Saison-Zahlen aufgeführt:

Bridgewater Würfe II

Zwar rutschte die Passgenauigkeit bei Bridgewater mit Blick auf die tiefen Pässe verhältnismäßig stärker ab als bei der Konkurrenz, doch bei kurzen und mittleren Pässen war er deutlich besser, als viele Kritiker ihm zugestehen. Auch wenn die Zahlen im Laufe der Saison deutlich besser wurden.

Fazit

Bridgewaters Rookie-Saison war nicht nur statistisch überdurchschnittlich stark und in meinen Augen verbieten sich alle (gerne angebrachten) Vergleiche zu Raiders-QB Derek Carr oder Jaguars-QB Blake Bortles. Bridgewater war deutlich vor beiden und hat dabei noch viel Luft nach oben.

Gleichzeitig ist es bei all den positiven Aspekten überraschend, wie wenige Touchdown-Pässe er warf, in seiner zweiten NFL-Saison muss Bridgewater auch in der Red Zone zulegen. Die Interceptions stören mich persönlich nur bedingt, denn wie bereits ausgeführt gingen schlicht mehrere nicht auf seine Kappe. Das Spiel sollte außerdem für ihn einfacher werden. Immerhin erhält er einen gewissen Adrian Peterson im Backfield zurück…

Adrian Franke

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7 Gedanken zu “Teddy Bridgewater: Talking ‚bout a steal!

  1. Als Vikings Fan konnte ich diesen Artikel sehr genießen 🙂
    Ich bin auch der Meinung, dass Teddy noch sehr viel Luft nach oben hat. Besonders gefallen hat mir an ihm die Fähigkeit, aus seinen Fehlern zu lernen. Das klingt jetzt ziemlich phrasenhaft, aber Bridgewater ist tätsächlich zum Ende der Saison hin noch einmal deutlich besser geworden, auch wenn ich keinen Zugriff auf stats habe, aber die würden das bestimmt bestätigen behaupte ich jetzt mal.

    Die vergleichsweise geringe Anzahl an TDs liegt (denke ich mal) daran, dass Norv Turner in der Redzone eher aufs Laufspiel vertraut hat. Matt Asiata hatte diese Saison glaube ich 9 oder 10 Touchdowns obwohl sein längster Run der ganzen Saison (!) ganze 19 Yards lang war und er auch sonst bewiesen hat, was er für ein Runningback ist: Es gibt diesen schönen Spruch über ihn: If you need two yards, Matt Asiata will give you three. If you need five yards, he’ll give you three as well. Ich bin auf das playcalling in der Redzone nächste Saison auch sehr gespannt, mal sehen, ob man Teddy da mittlerweile mehr vertraut.

    Danke für die Analyse 😉

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    • Freut mich, dass er dir gefallen hat!

      Ja also es gab ja definitiv Umstellungen im letzten Saisondrittel, die Bridgewater sicher auch geholfen haben. Asiata hat viele 1- oder 2-Yard-TDs bekommen, das stimmt. Aber mein Eindruck war, dass Bridgewater in der Red Zone noch effizienter werden kann. Das wird mit Peterson im Backfield und einem fitten Rudolph sicher auch anders aussehen, da hat man grade in der Play Action ja auch ganz andere Möglichkeiten.

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  2. Ganz starkes Ding Adrian.
    Habe nach deiner Ankündigung zu dem Artikel schon die letzten Tage immer mal wieder die Seite aufgerufen und war schon gespannt wie du Bridgewater siehst.
    Überschrift finde ich überragend 😉
    Ansonsten ging mir das Check-Down-QB Gelaber ziemlich auf den Keks. Zum einen wegen Turners System, zum Anderen gibt es soviele Rookies die den Wurf erzwingen, da hebt er sich mMn deutlich ab. Es gibt nicht viele Rookies die als Gamemanager gelten.
    Bridgewaters größte Stärke ist seine Ruhe im Pocket (was bei der O-Line auch bitter nötig war/ist), sowie seine Abgeklärtheit wenns in entscheidende Plays geht. Seine Schwäche ist sicherlich die Armstärke und die Deep Ball Acurancy die aber auch Ende des Jahres zugenommen hat.
    Der beste Satz: „in meinen Augen verbieten sich alle […] Vergleiche zu Raiders-QB Derek Carr oder Jaguars-QB Blake Bortles.“
    Großes Lob, einzelner Kritikpunkt: Es hätte für mich als Vikings-Fan durchaus länger sein können 😀

    LG But.

    P.S.: Habe den Link auf unserer FB-Fanpage gepostet. Hoffe du bekommst noch den ein oder anderen Klick/Kommentar.

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    • Freut mich, dass er dir gefallen hat! Zugegebenermaßen war ich schon vor dem Video-Studium ein kleiner Bridgewater-Fan, hab mich aber einfach total bestätigt gesehen. Lange nicht perfekt, aber so viel, das mir gefällt. Und für einen Rookie echt beeindruckend.

      Und danke fürs weiter verbreiten, freue mich über jeden Leser 🙂

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