Das Run Game der Dolphins: Lazors Effizienz-Maschine

dsa

Die Miami Dolphins wollen den nächsten Schritt machen, der FA-Hammer Ndamukong Suh soll ein Schlüssel dafür sein. Doch offensiv ruhen die Hoffnungen darauf, dass Quarterback Ryan Tannehills Entwicklung an die Vorsaison anknüpft – und dass Bill Lazors Running Game eine noch gewichtigere Rolle spielt. Doch was macht Lazors Running Game aus? Ein Blick auf die simple Effizienz-Maschine.

Die Offensive Line war im Vorjahr bei Weitem nicht die Stärke oder gar das Rückgrat der Dolphins. Vielmehr musste der neue Offensive Coordinator Bill Lazor hier oft Schwächen kaschieren – und das gelang vor allem im Running Game.

Miami hatte am Ende der Regular Season die zweitmeisten Yards pro Run-Versuch auf dem Konto (4,7 – nur Seattle war mit 5,3 noch stärker), und das vor den Dallas Cowboys (4,6), den Kansas City Chiefs (4,6) oder den Baltimore Ravens (4,5).

Was die Adjusted Line Yards anging allerdings standen die Dolphins nur auf dem neunten Rang und der Power Success (63%) war gar deutlich schlechter – hier kamen die Schwächen an der Line vor allem zum Tragen (Genauere Erklärungen der Advanced Stats gibt es hier).

Trotzdem funktionierte das Running Game. Was aber war der Grund dafür? Alles steht und fällt mit Bill Lazor.

Der Heilsbringer aus Philly

Zwei Jahre lang spielten die Dolphins die West Coast Offense von Offensive Coordinator Mike Sherman. Doch die Offensive stagnierte und so kam 2013 der Cut: Die Fins verpflichteten Eagles-QB-Coach Bill Lazor, der mit Chip Kelly in Philadelphia angeheuert hatte, als neuen Offensive Coordinator.

Lazor änderte Miamis Offense nicht in ihren Grundfesten und behielt vielmehr zahlreiche Basics bei.

So dominieren weiter West-Coast-Elemente wie die Crossing- und Comeback-Routes, was etwa zur herausragenden Rookie-Saison von Slot-Receiver Jarvis Landry führte: 750 Yards und fünf Touchdowns verzeichnete Landry, der zudem 80 Prozent seiner Targets fing. Nur Green Bays Randall Cobb verzeichnete mehr Yards pro Slot-Route.

Gleichzeitig brachte er auch Elemente aus Kellys Offense mit – unter anderem legte Lazor Wert darauf, Druck von den Schultern des Quarterbacks zu nehmen, was bereits zuvor zu der statistisch schon fast historischen 2013er Saison von Nick Foles geführt hatte. Der Erfolg von Lazors Offense ruht somit, wie auch in Kellys Philosophie, auf dem Running Game.

Das Running Game als Rückgrat

Acht Spiele gewann Miami in der vergangenen Saison, in sieben davon hatten die Fins mindestens 110 Rushing-Yards. Lediglich das knappe 16:13 gegen die Jets in Week 13 gelang mit nur 74 Rushing-Yards. Bei den acht Pleiten dagegen knackten die Dolphins fünf Mal (gegen Buffalo, Detroit, Denver, Baltimore und in New England) die 100-Yard-Marke nicht.

In der Praxis basiert Lazors Running Game auf einem einfachen Konzept: Mit viel Bewegung vor und nach dem Snap sollen Räume geschaffen und einfache Second-Level-Yards für den Running Back kreiert werden. Allein statistisch klappte das schon ohne Zweifel, die Dolphins verzeichneten in der Vorsaison im Run-Blocking die ligaweit meisten Second-Level-Yards (1,42) – noch vor den so hoch gelobten Cowboys (1,38).

Ein Beispiel aus dem Week-4-Sieg über die Raiders:

Miller Raiders 21

Die drei Receiver auf der rechten Seite faken einen Screen-Pass, während die Line kollektiv in eine Richtung blockt. Brian Hartline, der WR auf der linken Seite, geht direkt in den Second Level, wo er einen Cornerback blockt. Die Line schafft Überzahlsituationen im Run Blocking in der Interior Line und die Raiders bekommen 20 Yards später die erste Chance auf ein Tackle.

Klares Scheme, effiziente Ergebnisse

Es sind diese Runs, die einem auf dem Tape immer wieder ins Auge springen – weil sie sich wiederholen und vor allem weil sie in ihrer vermeintlichen Einfachheit doch unbestreitbar effizient sind. Ein ähnliches Beispiel aus der Pleite gegen die Chiefs in Week 3:

Miller Chiefs 20 YDS

Die Line blockt nach links, wodurch der Center ohne direkten Gegenspieler schnell im Second Level ist. Der Tight End läuft vor dem Snap parallel zur Line nach links, zieht nach dem Snap aber direkt nach rechts und blockt gegen den äußeren Pass-Rusher. Zwischen Tight End und Right Tackle zieht Lamar Miller dann für 20 Yards davon.

Ein dritter Anschauungspunkt hierfür ist Millers 97-Yard-TD-Run im letzten Saisonspiel gegen die Jets – der längste Run in der Dolphins-Geschichte:

Fins Run Jets 97 YDS

Miller ist hier im Second Level, ohne überhaupt berührt worden zu sein. Der Pass-Rusher von der rechten Seite bleibt stehen weil er mit der QB-Option rechnet, welche Tannehill über die Saison gesehen immer wieder sporadisch, aber effektiv einstreute (311 Rushing-Yards, 5,6 pro Versuch). Die Line blockt nach innen und Miller täuscht auch den Run nach innen an. Gleichzeitig kümmert sich der TE um den ILB, so dass Miller im Rücken des TEs schließlich ungehindert davonziehen kann.

Auch Tannehill hatte sich schon in der Vorjahres-Saisonvorbereitung gefreut: „Allein was die Bewegungen angeht ist der Unterschied im Vergleich zum vergangenen Jahr enorm. Es ist herausfordernd, sich an die sich bewegenden Tight Ends und Backs zu gewöhnen. Aber es wird viele Mismatches kreieren. Wir werden Defenses in Positionen bringen, in denen sie nicht sein wollen.“

Bewegung, Bewegung, Bewegung

Schon zum Saisonauftakt gegen die Patriots, als Miami mit 191 Rushing-Yards bereits den eigenen Saison-Bestwert aufstellen sollte, bestätigten die Dolphins diese Taktik, die sich dann durch die ganze Saison zog. Denn nicht nur die Blocker, auch die designierten Ballträger waren in die Bewegungen vor dem Snap eingebunden:

Fins Run Patriots 1

Zwar gelang Knowshon Moreno hier kein explosives Big Play, doch der Spielzug veranschaulicht die Idee: Moreno ist eigentlich im Slot, bewegt sich aber dann in die Mitte. Es folgt ein schneller Snap und ein einfacher Run für fünf Yards bei 1st&10.

Das TE-Line-Verhältnis

Die Big Runs, die nach Morenos frühzeitigem Saisonaus weitestgehend Miller vorbehalten waren, weisen derweil ein weiteres auffällig häufiges Rezept auf, das bisher auch schon durchgeklungen ist: Das ideale Zusammenspiel zwischen Tight End(s) und der Offensive Line. Exemplarisch nochmals der Blick auf das Raiders-Spiel für einen Spielzug, der so oder in leichter Abwandlung unter Lazor extrem oft zu sehen war:

Miller Raiders 20

Die Line und der sich bewegende Tight End sind exakt aufeinander abgestimmt. Direkt nach dem Snap sprintet der TE auf die andere Seite der O-Line, Miller gibt ihm mit einem winzigen Schritt zur Seite die notwendige Hundertstel-Sekunde. Zwischen dem TE und der Line öffnet sich so eine enorme Lücke und wieder hat der Gegner im Second Level über knapp 20 Yards keine Chance auf ein Tackle.

Gleichzeitig nutzten die Fins ihre TE-Blocks auch, um den Gegner zu überlisten. So etwa in Week 12 beim 36:39-Spektakel in Denver:

Miller Broncos Trick

Der WR (Pre-Snap) und der Tight End (Post-Snap) täuschen den Run nach rechts an. Der andere TE aber bleibt links, dennoch fällt die Broncos Front-Seven voll drauf rein. Die Defense bewegt sich für ein paar Schritte kollektiv nach links, was in einfachen 22 Yards für Miller, der die Lücke wieder schnell erkennt und nutzt, resultiert.

Fazit

Auch auf Screen-Pässe setzte Lazor deutlich mehr als sein Vorgänger Mike Sherman: 2013 kamen nur 4,8 Prozent von Tannehills Passing-Yards per Screen zustande, lediglich 2,3 Prozent per RB-Screen – Lazor ermöglicht, wie auch Chip Kelly, seinem QB hier mehr „sichere“ Yards.

Ein weiterer statistischer Indiz hierfür: 2013 waren 2.209 von Tannehills 3.913 Passing-Yards (56,5%) „Air-Yards“, also Yards, die der Ball in der Luft verbracht hat, ehe er gefangen wurde. Lazor, der der Offense auch mehr Tempo beibrachte, senkte diese Zahl in seiner ersten Saison um starke fünf Prozent auf 51,4% (2.080 von 4.045 Yards).

Auf Tannehill selbst bin ich in diesem Text bewusst gar nicht eingegangen, das würde eine eigene Analyse verdienen. Der Quarterback profitierte ebenfalls von Lazors Offense und steigerte sich – und mit einem zusätzlichen Jahr an Erfahrung im System sowie First-Round-Pick DeVante Parker und Rookie-RB Jay Ajayi wird die Offense noch effizienter und spektakulärer agieren.

Kurzum: Für jeden Taktik-Fan ist Miamis Offensive in der kommenden Saison Pflichtprogramm.

Adrian Franke

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3 Gedanken zu “Das Run Game der Dolphins: Lazors Effizienz-Maschine

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