Fünf Fragen zum Donnerstag

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Kurz vor dem Wochenende gibt es den Rückblick auf Geschehnisse der vergangenen Tage. Mal mit Themen, die im großen Fokus stehen, mal mit bunten Randgeschichten. Aber immer: Ausschließlich meine Meinung.

1. Wohin geht Evan Mathis?

Am 11. Juni trennte sich Chip Kelly nach langem Hin und Her schließlich von Evan Mathis, der Pro-Bowl-Guard ist plötzlich auf dem Markt. Mit 33 Jahren ist Mathis zwar kein Jungspund mehr – die vergangene Saison legt aber nahe, dass er noch das ein oder andere Jahr im Tank hat (nicht überzeugt? Dann empfehle ich diesen Artikel).

So ist es keine Überraschung, dass Mathis bereits betonte, den Abschied aus Philly nicht zu bereuen. Man darf getrost davon ausgehen, dass er auf dem Markt noch einen stolzen Preis erzielen wird.

Immerhin sind laut Mathis‘ Berater Drew Rosenhaus inzwischen zehn Teams interessiert. Darunter: Die Giants, die 49ers, die Broncos, die Titans und die Bears. Aus rein finanzieller Sicht springt einem Tennessee ins Auge, die Titans haben noch einiges an Cap-Space übrig und könnten einen erfahrenen Guard für ihren Rookie-QB Marcus Mariota gut gebrauchen. Mein Tipp aber liegt noch ein gutes Stück südlicher: Ich denke, die Dolphins machen das Rennen.

Zwar klingt aus Fins-Kreisen durch, dass Miami sich auf kein Wettbieten einlassen wird – aber die Dolphins haben mit der Suh-Bombe einmal mehr gezeigt, dass sie vor spektakulären Verpflichtungen nicht zurückschrecken.

Das Talent im eigenen Team, das schon im Vorjahr ein effizientes Running Game sein Eigen nannte, die Brady- und die CB-Situation bei den Pats sowie die QB-Sorgen bei den Jets und den Bills geben Miami eine große Chance auf den Division-Sieg. Mike Tannenbaum und Stephen Ross wissen das. Und sie werden zuschlagen.

2. Pryor als Receiver?

Terrelle Pryor war seine Entlassung in Cincinnati eine Lehre. Wenige Tage, nachdem er angekündigt hatte, nur QB spielen zu wollen, ließ er seiner Entlassung die Kehrtwende folgen – und will sich jetzt als Receiver versuchen. Die Cleveland Browns schlugen prompt zu. Die physischen Voraussetzungen bringt Pryor zweifellos mit. Aber wird das reichen?

Ein zweiter Faktor der für den Ex-Raiders-QB spricht ist die schwache Konkurrenz – Dwayne Bowe ist aktuell der Nummer-1-Receiver der Browns, gefolgt von Andrew Hawkins und Brian Hartline. Furchteinflößend geht anders.

Zumindest eine persönliche Verbindung ist vorhanden: Der neue Browns-OC John DeFilippo war sein QB-Coach in Oakland, wo Pryor die bislang beste Phase seiner NFL-Karriere erlebte. Doch die Umschulung wird viel Zeit und viel Arbeit erfordern, immerhin muss Pryor ganz nebenbei noch das Browns-Playbook lernen.

Andererseits hätte es für ihn keine bessere Situation geben können. Clevelands Vorjahres-Topwerte waren 824 Receiving-Yards (Slot-Receiver Hawkins) und 3 Receiving-TDs (Travis Benjamin). Bowe blieb, wie bekannt, in Kansas City ohne TD-Catch. Sollte es Pryor tatsächlich als Receiver in die Saison schaffen, würde er statistisch übrigens nicht bei 0 anfangen. Die Statistiker weisen einen NFL-Catch für 22 Yards auf.

3. Texans-QB schon fix?

Ein spannendes QB-Duell im Rahmen von Hard Knocks? Fans sollten nicht darauf bauen. „Die Entscheidung könnte schon vor dem Training Camp fallen. Wir könnten uns schon bald festlegen und falls das nicht passiert, werden wir uns früh im Training Camp entscheiden“, bestätigte Head Coach Bill O’Brien.

Wenig spricht dafür, dass die Texans lange Evaluierungsphasen brauchen – immerhin kennt O’Brien selbst sowohl Brian Hoyer, als auch Ryan Mallett aus gemeinsamen Tagen bei den New England Patriots. Zugegeben, die Sample Size von Mallett aus der Vorsaison ist ziemlich klein und ja, er hat eine Kanone von einem Arm. Im Training soll Hoyer bislang die Nase knapp vorne haben. Von daher ist es aber auch viel Bauchgefühl, wenn ich sage: Ich würde auf Hoyer tippen.

Die Peyton-Manning-Saga dagegen darf getrost zu den Akten gelegt werden. Zum Wochenbeginn waren Gerüchte aufgetaucht, wonach die Broncos Anfang März versucht hatten, Peyton Manning abzugeben – ehe der schließlich seinen umstrukturierten Vertrag unterschrieb. Die Texans, die bereits 2012 großes Interesse zeigten, sollen ein heißer Kandidat gewesen sein.

Doch sowohl die Broncos, als auch mehrere regionale und nationale Medienvertreter dementieren die Gerüchte inzwischen entschieden. Wahrscheinlicher ist da die Theorie, dass die Texans, ehe sie Mallett zurückholten und Hoyer verpflichteten, bei den Broncos vorgefühlt haben – aus Denver aber nie ernsthaftes Interesse an dem Trade zurück kam.

4. Gibt es den Early Loser?

Die Zeit zwischen Minicamp und Training Camp ist die einzige verbleibende Wüste im NFL-Jahr. Fotos von den spektakulären Urlaubsaufenthalten diverser Stars prägen die Szene, genauso wie das Versprechen, dass Spieler X in der Form seines Lebens ist. Jeder glaubt zu dieser Zeit des Jahres von seiner Chance auf den großen Wurf – oder tut zumindest so. Das macht den Sommer auch zur Zeit der Spekulationen und wirft die Frage auf: Wer sollte sich lieber keine Hoffnungen machen?

Ja, die NFL ist schnelllebig und eine einzige Verletzung kann alles verändern. Aber Stand jetzt gibt es mindestens drei Teams, die in meinen Augen keine Chance auf die Playoffs haben werden:

Die Cleveland Browns: Keine Receiver (s. Punkt 2), Chaos auf der QB-Position und der Abgang von Offensive Coordinator Kyle Shanahan lassen das Dawg Pound auf wenige eigene Punkte hoffen…

Die Chicago Bears: Dass die Bears auf dieser Liste sind hat zwei Gründe: Zum einen wäre da die starke Division, in der ich den Bears in dieser Saison kaum Siege zutraue. Dazu kommt das große Jay-Cutler-Fragezeichen und die Defense wird auf eine 3-4 umgestellt – und wird dafür Zeit brauchen.

Die Tennessee Titans: Große Fragezeichen im WR-Corps und bei den RBs. Mariota wird Zeit brauchen. Der Secondary traue ich auch nicht.

Mancher geneigter Leser wird sich jetzt fragen, warum die Oakland Raiders hier nicht dabei sind – obwohl ich bekanntermaßen kein großer Fan von Derek Carr bin. Zwei Gründe: Das WR-Corps ist mit Amari Cooper und Michael Crabtree um Welten besser als im Vorjahr (was bei letzterem viel über das Vorjahres-WR-Corps aussagt) und die Verpflichtung von Chiefs-Center Rodney Hudson ist teilweise etwas unter den Tisch gefallen – wird dem Running Game aber massiv weiterhelfen.

5. Ernsthafte Sorge um Wilson?

Durch die Blume lassen die Seahawks und Russell Wilson seit einigen Wochen den jeweils anderen wissen, wie es um die eigenen Gefühle bezüglich einer Vertragsverlängerung steht. Wilson geht in das letzte Jahr seines Rookie-Vertrages und während die Hawks einem defensiven Leistungsträger nach dem anderen einen neuen Deal gaben, wartet der 26-Jährige weiter.

Wilsons jüngste Ansage vom Wochenbeginn: „Ich weiß, dass Gott mich dahin bringen wird, wo er mich haben will. Ich hoffe, das ist Seattle. Ich liebe es hier, es ist ein großartiger Ort. Aber ich kenne die Hochs und Tiefs und wurde schon in der Vergangenheit zum Wechsel gebracht. Ich habe es auch bei NC State geliebt und musste dann woanders hin. Ich weiß, dass ich mental, physisch und spirituell auf alles vorbereitet bin.“

Der spannende Aspekt ist die Einschätzung der Situation: Viele Experten sehen in Wilson zwar einen guten, aber keinen Elite-QB, der von einem der besten Running Backs und der mutmaßlich besten Defense der Liga profitiert. Wären die Indianapolis Colts in den vergangenen Jahren in die Playoffs gekommen, hätten sie Wilson statt Luck? Mutmaßlich nicht.

Aber zu Seattle passt der mobile, zuverlässige Wilson und Quarterbacks, mit denen man zwei Super Bowls in Folge erreicht, wachsen nicht auf Bäumen. Das weiß auch das Hawks-Front-Office, das gleichzeitig in jeder Offseason den Rücktritt von Marshawn Lynch befürchten muss.

Kurzum: Beide wissen, was sie aneinander haben und werden sich einigen – auch wenn der neue Sechsjahresvertrag über 95,2 Millionen Dollar mit Garantien über 45 Millionen für Dolphins-QB Ryan Tannehill die Verhandlungsposition der Seahawks nicht gerade vereinfacht hat. Garantien über mindestens 60 Millionen, wie auch Cam Newton in seinem neuen Sechsjahresvertrag, wird Wilson fordern – und das zurecht.

Ein Bonbon zum Schluss…

Babatunde Aiyegbusi darf sich derzeit in Minnesota beweisen, der Mann der optisch eine gewisse Ähnlichkeit mit Game-of-Thrones-Gigant Hafthor Bjornsson aufweist, gab zum Wochenbeginn ein kleines Update. Der Pole hat noch viel zu lernen, gerade im technischen Bereich. Zuvor unter anderem in Dresden aktiv, reichte ihm schließlich oft seine Physis. Beweis gefällig? Bitteschön:

A Man amongst Boys

Adrian Franke

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10 Gedanken zu “Fünf Fragen zum Donnerstag

  1. So eine immer wiederkehrende Serie (mit aktuellen Thematiken) finde ich cool. Als Komplementär zu den tiefen Themen optimal. Kann man damit jetzt also wirklich jede Woche rechnen?

    Pryor hat mit den Browns zwar ein chaotisches Team erwischt, aber wie du auch schreibst: Das Team hat das schwächste Receiving Corps der Liga. Chancen sind also da.

    Ansonsten drück ich Aijegbusi beide Daumen. Wäre einfach der Wahnsinn, wenn er es tatsächlich in ein Roster (von mir aus auch PS) schaffen würde.

    Gefällt 1 Person

    • Für Pryor ist es halt echt die letzte Chance denke ich. Aber ist gleichzeitig auch ein spannendes Experiment, ich kann mich zumindest spontan nicht daran erinnern, dass es schon einmal einen QB gab, der während seiner NFL-Karriere WR wurde.

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      • Coole Sache. 😉

        Ein QB müsste die Spielzüge/Routen ja theoretisch schnell erlernen können. Wüsste auf Anhieb auch keinen NFL QB, der bereits Profi war und dann Receiver wurde. Früher waren die QBs ja auch nicht solche Athletikfreaks. In der Highschool QB und dann WR gibt es ja öfters. (A. Boldin etwa), aber wenn Pryor das packt, dann wäre er wohl ein Unikat.

        Colin K. kann sich ja dann auch schonmal dem Route tree widmen…:-D

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      • Hahaha 😀

        In der Theorie (Route-Tree, Spielzüge lernen) traue ich es Pryor auf jeden Fall zu, aber das dann erstmal praktisch aufs Feld zu bringen und das Timing hinzubekommen wird auf jeden Fall ne Herausforderung. Wegen seiner Größe wurde ihm ja angeblich mehrfach vorgeschlagen, es doch eher als TE zu versuchen. Ich würde ihn mir gerne mal in der Preseason anschauen, einfach um zu sehen, wie viel man in 1,5 Monaten lernen kann^^.

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  2. Okay. Stimmt. Theorie und Praxis sind zwei verschiedene Paar Schuhe.

    Ich würde das auch gerne auf dem Feld sehen. Der Positionswechsel ging ja dann wirklich recht fix und ohne lange Vorbereitung. Ob er dann auf dem Grün so kurzfristig schon wie ein „echter“ Receiver aussieht? Spannende Sache auf jeden Fall.

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    • Ist ja auch nicht so, als hätten die Browns wirklich einen Überfluss an Tight Ends oder Red-Zone-Waffen, wo auch noch Cameron weg ist. Die Offense ist einfach ein Mess! Die beiden ersten TEs Stand jetzt: Gary Barnidge und Rob Housler…

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