Spielzug erklärt: Outside/Wide Zone Run

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Ein NFL-Spielzug kommt im ersten Moment gerne kryptisch und unverständlich daher. Aber was steckt dahinter? Was sehen die Zuschauer eigentlich auf dem Platz? Und worauf gilt es, zu achten? Ein Erklärungsversuch in kleinen Häppchen. Heute: Der Outside/Wide Zone Run.

„We run Zone Wide and Tight, and that is it. If you want to run something else, do not call me and ask for help.“ – Alex Gibbs

Das Offensichtliche zuerst: Beim Outside oder Wide Zone Run handelt es sich um einen Laufspielzug, der nicht zwischen Tackles und Guards (also „Inside“ oder „Tight“) stattfindet, sondern vielmehr um die Offensive Line herum führen soll. Als Faustregel gilt: Der Running Back visiert zunächst den Rücken des Tight Ends an, seine finale, in Sekundenbruchteilen getroffene, Entscheidung resultiert dann aus der Entwicklung der Blocks und wird im Schaubild durch die rote Markierung gekennzeichnet.

Wide Zone Run

Das ist der kritische Punkt, denn der Running Back hat hier zwei Optionen. Entweder geht er komplett um die Line herum, oder aber, oftmals die präferierte Version, durch eine zentralere Position, wo sich durch das Blocking Scheme häufig große Lücken bilden (Beispielrun hierfür von Foster siehe hier). Dabei ist er komplett davon abhängig, wie sich der Spielzug nach dem Snap entwickelt hat.

Ein Running Back mit hohem Spielverständnis ist also notwendig, denn er darf nur einen Cut machen – danach muss er mit vollem Tempo auf die Endzone zulaufen. Arian Foster hat unter Gary Kubiak in Houston so den Durchbruch vom Undrafted Free Agent zum Top-5-RB geschafft. Der Spielzug kann, statt mit einem dritten Receiver, auch mit einem Fullback als zusätzlichem Blocker ausgeführt werden.

Doch nicht nur der Running Back steht hier im Fokus: Die Offensive Linemen sollen sich, entgegen ihres eigentlichen Instinkts, nach dem Snap schnell zur Seite statt nach vorne bewegen. Dann haben sie zwei Optionen: Entweder gilt es, die Gegenspieler Inside zu beschäftigen, so dass der Running Back freie Bahn hat. Alternativ aber, wenn das nicht gelingt, sollen die Verteidiger an die Seitenlinie geschoben werden. In dem Fall liegt es noch stärker am RB, die Lücke zu finden.

Im Zone Blocking haben O-Line-Men, im Gegensatz zum Man Blocking, keinen direkten Gegenspieler. Die O-Line orientiert sich also nicht an der Aufstellung der Defensive Line.

Unter Mike Shanahan und Gary Kubiak kam das Zone Running Game Ende der 90er Jahre bei den Denver Broncos schwer in Mode. Doch der entscheidende Ziehvater des Schemes ist Alex Gibbs, damals O-Line-Coach und stellvertretender Head Coach der Broncos, der später auch Kubiak in Houston (2008-2009) sowie Pete Carroll in Seattle (2010) assistieren sollte.

Das Komplementärstück zum Wide Zone Run ist der Bootleg-Play-Action-Pass, sprich: Der Quarterback läuft zwar zurück, täuscht die Ballübergabe aber nur an. Mehrere Dinge resultieren daraus kurz- sowie langfristig: Die Defense kann sich nicht darauf einstellen, dass der Outside Run kommt und kann so nicht blindlings mit voller Geschwindigkeit nach außen drängen. Gleichzeitig haben die Receiver in dem Fall meist nur einen Gegenspieler und die Kombination aus dem simplen und doch individuell höchst anspruchsvollen Run sowie Play-Action-Pässen ist, wenn richtig ausgeführt, für Defenses brandgefährlich.

Da Kubiak in dieser Saison als Head Coach nach Denver zurückkehrt und Gibbs seit 2013 wieder als OL-Berater für die Broncos arbeitet, dürfte es kein Geheimnis sein, wo Liebhaber des Wide Zone Runs in der kommenden Spielzeit fündig werden sollten. Auch in Houston sind Kubiaks und Gibbs‘ Spuren noch zu finden.

Wer sich das ganze noch ausführlicher mit Video-Material zu Gemüte führen will, dem sei dieses Lehrvideo ans Herz gelegt.

Immer noch nicht genug? Für besondere Liebhaber gibt es hier noch einen ausführlichen Vortrag von Gibbs selbst zu seinem Run Blocking Scheme.

Adrian Franke

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