Spielzug erklärt: Der Toss Play Action Boot

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Ein NFL-Spielzug kommt im ersten Moment gerne kryptisch und unverständlich daher. Aber was steckt dahinter? Was sehen die Zuschauer eigentlich auf dem Platz? Und worauf gilt es, zu achten? Ein Erklärungsversuch in kleinen Häppchen. Heute: Der Toss Play Action Boot.

Play-Action-Spielzüge können für riesige Löcher in der Secondary und somit unweigerlich für Big Plays sorgen – können aber nur wirklich funktionieren, wenn sie ergänzend zu einem kontinuierlichen Running Game eingesetzt werden.

Häufig hört man Kommentatoren darüber reden, dass ein Team das Running Game nicht aufgeben soll, auch wenn es vielleicht bislang im Spiel nicht oder nur sehr bedingt funktioniert hat. Ein (wesentlicher) Grund hierfür ist der Effekt auf die Defense: Hält man am Running Game fest, zwingt man Defenses dazu, dass Running Game auch zu respektieren – und dann bieten sich Möglichkeiten, die gefürchteten Fakes einzustreuen.

Toss Fake

Ein entscheidendes Kriterium hierbei ist, dass die Fakes in den ersten Sekunden des Spielzugs einem zuvor von dem Team bereits favorisierten Running Play stark ähneln, und im Idealfall sogar identisch sind. Wie auch schon beim Dig/Post-Konzept kann hier Peyton Manning als ein mögliches Beispiel dienen.

Das Stretch Play (eine schöne Video-Erklärung, worum es beim Stretch Play generell geht, gibt es hier) ist eine Art Musterbeispiel, da der Zeitpunkt, zwischen dem Snap und der angetäuschten Ballübergabe an den Running Back in diesem Szenario sehr lange ist. So hat die Defense mehrere Sekunden (im Football eine Ewigkeit) zu überbrücken, bis sie weiß, ob sie einen Run oder einen Pass verteidigen soll – bis sie das merkt, kann es schon zu spät sein.

Also zum Beispiel: Der Quarterback sprintet nach dem Snap zunächst (hier) nach links in der Formation. Der Left Tackle und der linke Outside Receiver, der sich vor dem Snap schon in Bewegung setzt (gestrichelte Linie) lassen zusätzlich einen Run erahnen, da sie scheinbar Blocks zur Seite vorbereiten.

Der QB täuscht also den Toss zum Running Back an, der sich natürlich ebenfalls nach links bewegt. Der RB dient so gleichzeitig als Notlösung für einen kurzen Pass, sollte wider Erwarten sonst niemand frei sein.

Auf der rechten Seite bereiten die Tight Ends (oder ein Tight End und ein physischer Receiver) derweil den Pass vor: Der äußere TE blockt zunächst kurzzeitig einen Defensive End oder Outside Linebacker an der Line, ehe er in die Flat nach außen zieht und ebenfalls für einen kurzen Pass zur Verfügung steht. Oft ist er, allein durch die Art wie und die Richtung, in die sich der Spielzug entwickelt, der erste Read für den Quarterback.

Der andere Tight End (oder auch ein WR) ist der stärkere Pass-Catcher auf der rechten Seite und läuft letztlich eine ähnliche Route wie der linke Outside-Receiver. Wendet man den Spielzug in der Red Zone an, kann der QB so in beiden Ecken der Endzone eine mögliche Touchdown-Option bekommen.

Adrian Franke

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Ein Gedanke zu “Spielzug erklärt: Der Toss Play Action Boot

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