Spielzug erklärt: Der 49ers Sweep

Chicago_Bears_vs_Tennessee_Titans_11-09-08Ein NFL-Spielzug kommt im ersten Moment gerne kryptisch und unverständlich daher. Aber was steckt dahinter? Was sehen die Zuschauer eigentlich auf dem Platz? Und worauf gilt es, zu achten? Ein Erklärungsversuch in kleinen Häppchen. Heute: Der 49ers Sweep.

Der 49ers Sweep stammt, wie der Name schon vermuten lässt, aus San Francisco; genauer gesagt aus der glorreichen West Coast Offense des großen Bill Walsh (in meiner Analyse der West Coast Offense habe ich den Spielzug bereits erwähnt, bin aber noch nicht weiter darauf eingegangen).

Die West Coast Offense bestand keineswegs nur aus den millimeter- und sekundenbruchteil-genauen Pass-Spielzügen – das Running Game spielt ebenfalls eine elementare Rolle. Ein wichtiger Bestandteil davon war der 49ers Sweep:49ers Sweep DiagramDas Prinzip ist dabei in der Theorie einfach: Beim Sweep geht es darum, dass der Running Back mit dem Ball einer Gruppe von genau zugeteilten Blockern zur Seite folgt, die ihm den Weg gezielt frei machen soll, so dass er möglichst viele Yards ohne Gegner-Kontakt erlaufen kann.

Offensive Coordinator Greg Roman hat darauf aufbauend in den vergangenen Jahren auch Fakes (etwa dass statt dem Fullback ein Tight End oder zweiter Running Back aufgestellt wird und nach angetäuschter Ballübergabe an den RB in die andere Richtung läuft, genau wie auch Play-Action-Spielzüge) eingebaut. Da Bills-Coach Rex Ryan, unter dem Roman seit dieser Saison arbeitet, das „dickste Running-Playbook in der Menschheitsgeschichte“ angekündigt hat, darf man getrost in Buffalo nach Varianten davon Ausschau halten.

Wenn der Spielzug in Perfektion ausgeführt wird, ist er extrem schwer zu verteidigen. Noch heute wird darüber gesprochen, dass jeder Vince Lombardis Sweep im Schlaf kannte. Verteidigen konnten ihn über Jahre hinweg aber die wenigsten konstant.

Die 49ers erweiterten den Spielzug unter Roman und Jim Harbaugh zudem um eine Variante, einen Quarterback Power Sweep – und das schon, als Alex Smith noch ihr Quarterback war und Colin Kaepernick, für eben solche Plays, nur vereinzelt rein kam.49ers QB Power Sweep

Einige Dinge sind dabei anders als beim traditionellen 49ers Sweep: Zunächst einmal das Personal. Statt 2 WR, 2 RB, 1 TE haben wir hier das sogenannte Tank-Personell (1 WR, 2 TE, 2 RB). Wie das in Realität aussehen kann, seht ihr hier.

Darüber hinaus blockt der dem Spielzug entfernte Guard (hier der LG) nicht als Pulling Guard. Seine Blocking-Zuteilung übernimmt der Fullback, dessen Rolle wiederrum vom zweiten Tight End eingenommen werden kann. Die (hier) linke Seite der Line kann so ihre Gegenspieler beschäftigen, da der QB als Runner dazukommt und so beide RBs (beziehungsweise RB und FB) blocken können.

Adrian Franke

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2 Gedanken zu “Spielzug erklärt: Der 49ers Sweep

  1. Hallo, ich verfolge die NFL so richtig intensiv erst ab letzter Saison.
    Finde deine Erklärungen hier v.a. zum lernen richtig praktisch ;).

    Hätte mal ne Frage zum Beispiel: #74 verhält er sich denn korrekt? Erstmal blockt er ja niemand, ich glaube das hast du ja auch oben so beschrieben, aber mir kommt es fast so vor als würde er Kaepernick eher behindern als ihm helfen. Ist seine Aufgabe, also #74, denn so zu verstehen, dass er evtl. Misstackles seiner Kollegen „ausbügeln“ soll und so lange wie möglich an der Seite des QB’s bleiben sollte.

    Wie gesagt für mich sieht es so aus als würde er erstmal fast den eigenen Mann umrennen und dann läuft er auch noch Kaepernick in die Quere.

    Gefällt 1 Person

    • Danke, freut mich, dass dir der Blog gefällt 🙂

      Zu deiner Frage: Gemäß des Spielzugs verhält sich #74 (Left Tackle Joe Staley; in meinem Schaubild wäre das dann logischerweise der RT) prinzipiell korrekt, er muss ja quasi um den blockenden Fullback (#49) herum kommen und soll dann dem Running Back (Frank Gore, #21) helfen, den Weg frei zu machen. In dem Fall sieht das einfach etwas „komisch“ aus, weil kein Gegenspieler mehr da war^^. Aber seine Blocking-Zuteilung geht auf jeden Fall zur linken Seite.

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