Fünf Fragen zum Donnerstag (20.8.)

33330283_3b0fac2bb7_o (1)Kurz vor dem Wochenende gibt es den Rückblick auf Geschehnisse der vergangenen Tage. Mal mit Themen, die im großen Fokus stehen, mal mit bunten Randgeschichten. Aber immer: Ausschließlich meine Meinung.

1. Division-Record-Tipp: AFC South

1. Indianapolis Colts (12-4)

Die Colts werden eine Top-3-Scoring-Offense haben, ich würde sogar tippen, dass sie die Liga am Saisonende was Punkte angeht anführen. Dazu kommt die maximal durchschnittliche eigene Division sowie die Duelle mit der NFC South, weshalb die Colts zumindest lange um den Top-Seed der AFC kämpfen. Warum also die vier Pleiten? Die Run-Defense ist nach wie vor ein großes Fragezeichen und in den Duellen mit der AFC East warten einige schwere Kaliber.

2. Houston Texans (7-9)

Die Texans-Defense wird dem Team, wie schon im Vorjahr, zu einigen Siegen verhelfen, vor allem falls Jadeveon Clowney wirklich bis zum Saisonstart fit wird. Aber: Die Offense ist und bleibt ein Sorgenkind. DeAndre Hopkins muss sich ohne Andre Johnson in der WR-1-Rolle beweisen, die QB-Frage um Hoyer vs. Mallett bleibt weiter offen. Durch den Ausfall von Arian Foster wird die Offense immense Probleme bekommen, so dass die Texans tatsächlich ergebnistechnisch gar schlechter abschneiden als im Vorjahr

3. Tennessee Titans (6-10)

Bei den Titans steht und fällt alles mit Marcus Mariota. Wenn sich Tennessees Rookie-QB schnell anpasst und die Titans ihr Playbook entsprechend Mariotas Stärken ausrichten können, kann sich Tennessee zumindest verbessern – der Schedule sollte dabei helfen. Auf Dorial Green-Beckham darf man gespannt sein, darüber hinaus muss Tennessee Mariota aber ein verlässliches Running Game zur Seite stellen. Die Defense dürfte zumindest solide sein.

4. Jacksonville Jaguars (5-11)

Die so bittere Verletzung von Jags-Top-Draftpick Dante Fowler Jr. ist für Jacksonville schwer aufzufangen, ein potentieller Top-Pass-Rusher hätte eine im Vorjahr gute Defense aufs nächste Level heben können. Die Jaguars haben in der vergangenen Saison mehrere Spiele knapp verloren, von Blake Bortles und vor allem der O-Line muss aber jetzt mehr kommen. Julius Thomas wird, auch wenn er die kommenden Wochen verpasst, in der Red Zone enorm helfen. Interessanter Spieler, den ich im Auge behalte: Rookie-Running-Back T.J. Yeldon.

2. Machen die Seahawks einen Schritt zurück?

Die Seattle Seahawks waren, betrachtet man die letzten beiden Jahre zusammen, das beste Team der NFL – da gibt es für mich nichts dran zu rütteln. Die Hawks haben es geschafft, den starken Kern langfristig zu binden, jüngst bekamen ILB Bobby Wagner und vor allem QB Russell Wilson ihre langfristigen Deals und in Jimmy Graham bekam Wilson einen neuen X-Faktor.

Und doch: Mein Gefühl sagt mir, dass die Hawks in der kommenden Saison einen leichten Schritt zurück machen. Nicht falsch verstehen: In der Division sind sie noch immer das beste Team und auch in der NFC gehört Seattle in die Top-3. Aber es wird in diesem Jahr nicht für den Super-Bowl-Einzug reichen.

Dafür gibt es mehrere Gründe, doch alles beginnt mit der Offensive Line. Den Abgang von Center Max Unger, einer der besten Center der Liga, im Zuge des Graham-Trades, aufzufangen, wird alles andere als einfach. Das erste Preseason-Spiel gegen den starken Pass-Rush der Denver Broncos hat meinen Eindruck, soweit das ein (erstes) Preseason-Spiel kann, hier bestätigt (Justin Britt gegen Von Miller war nicht einmal eng).

Wilson hatte schon in der vergangenen Saison oft nicht gerade viel Zeit, und Marshawn Lynch musste oft schon früh durch erste Tackles laufen – beides dürfte in diesem Jahr noch intensiviert werden. Ja, Wilson braucht, im Gegensatz etwa zu einem Peyton Manning, keine komplett saubere Pocket und kann aus wenig Protection viel machen. Und ja, kein RB ist ein besserer Tackle-Breaker als Lynch.

Doch auch das funktioniert nur bis zu einem gewissen Grad. O-Line-Coach Tom Cable, der zunehmend den Ruf eines absoluten Line-Gurus bekommt, wird noch stärker gefordert sein.

Außerdem bleibt abzuwarten, wie sich die Secondary vor allem früh in der Saison präsentiert. Richard Sherman hatte einige kleinere Probleme, Kam Chancellors Holdout geht ob der Forderung nach einem neuen Vertrag weiter. Earl Thomas ist zwar inzwischen zurück im Training, wird sich nach seiner Schulter-Verletzung aber ebenfalls zurückkämpfen müssen und Byron Maxwell ist weg. Durch die Verletzung von Jeremy Lane fehlt auch Kadertiefe, zumindest Tharold Simon ist wieder fit.

3. Wird EJ Manuel entlassen?

NFL-Coaches müssen ihren Kader vom Start des Training Camps bis zum Saisonauftakt um fast die Hälfte minimieren, kritische Entscheidungen sind hierbei unvermeidlich. Das trifft regelmäßig auch einige prominente Opfer – und dieses Jahr wird keine Ausnahme sein. Der womöglich prominenteste Kandidat wird in diesem Jahr aus Buffalo kommen.

EJ Manuel hatte nach seiner durchwachsenen Rookie-Saison ein desolates Vorjahr. In fünf Spielen lautete seine Stat-Line: 76/131, 838 YDS, 5 TD, 3 INT, 6 Sacks. Frühzeitig musste er für Kyle Orton Platz machen, kurz davor hatte er J.J. Watt noch zu einem Pick-Six verholfen.

Im Training Camp ging es dann ähnlich weiter, Manuel, genau wie die neu verpflichteten Tyrod Taylor und Matt Cassel, hinterließ teilweise einen extrem schwachen Eindruck. Im ersten Preseason-Spiel konnte Taylor auf sich aufmerksam machen und erhält im zweiten Preseason-Duell gegen die Browns den Startplatz.

Für mich ist so klar, was sich seit Wochen angedeutet hat: Manuel wird noch vor Saisonstart entlassen werden. Im Training arbeitet er bereits nur noch mit der dritten Offense, Taylor scheint im Moment der Front-Runner auf den Starting-Job zu sein.

Manuel selbst gab am Montag gegenüber der Associated Press bereits offen zu: „Letztlich, wenn ich gut spiele, wird sich alles schon fügen. Ob das aber hier oder bei einem anderen Team sein wird weiß ich nicht.“ Der aktuelle (neue) Trainerstab hat Manuel nicht gedraftet und ist dementsprechend wenig investiert und Rex Ryan mag Taylor offenbar sehr, das hat er bereits durchblicken lassen.

Da der erfahrene Cassel als Backup deutlich besser geeinigt ist, erwischt es so am Ende Manuel. Einziger Haken für die Bills: Manuels Vertrag mit Cap Hits über 2,423 Millionen Dollar in diesem und 2,827 Millionen im nächsten Jahr ist vollständig garantiert.

4. Kostet die Benjamin-Verletzung Carolina die Saison?

Es war eine dieser Trainingsszenen, die beim Zuschauer sofort ein flaues Gefühl hinterließen. Als Panthers-Receiver Kelvin Benjamin am Mittwoch im Training wegknickte, war sofort höchste Alarmbereitschaft – und schnell gab es traurige Gewissheit.

Benjamin hat sich das Kreuzband gerissen und wird die komplette Saison verpassen. Die Panthers stehen damit wenige Wochen vor Saisonstart ohne echten X-(also Nummer-1-)-Receiver da und es könnte eine Verletzung sein, die das Team nicht auffangen kann.

Zunächst einmal ist das WR-Corps in Carolina alles andere als tief. Ted Ginn Jr., Jarrett Boykin, Jerricho Cotchery oder Brendon Bersin wären da zu nennen. Der talentierteste hinter Benjamin ist wohl Devin Funchess – doch der Rookie muss sich zunächst einmal in der NFL und im neuen Playbook zurechtfinden.

Benjamin hatte seine Gewichtsprobleme aus dem Frühjahr mehr als nur in den Griff bekommen, zum Camp erschien er in herausragender Verfassung. Das Team hoffte auf den nächsten Schritt in seiner Entwicklung.

Stattdessen wird er den Panthers jetzt an gleich mehreren Fronten fehlen, primär aber als Nummer-1-Ziel was tiefe Pässe angeht. Benjamin fing in der Vorsaison acht Pässe von mindestens 20 Yards Downfield – das restliche Panthers-Roster zusammen verzeichnete derer sechs.

Somit fehlt QB Cam Newton nicht nur eine elementare Stütze im Passing Game, auch die Ablenkung für die Defenses ist so nicht gewährt – und das wird sich auf das Running Game auswirken. RB Jonathan Stewart, der hinter einer ohnehin eher durchwachsenen Line laufen soll, dürfte es jetzt häufig mit 8-Men-Boxes und Newton mit aggressiverem Pass-Rush zu tun bekommen.

Benjamin war einer der ligaweit wichtigsten Wide Receiver mit Blick auf das eigene Team. Ihn zu ersetzen wird in einer engen Division und einer starken NFC für die Panthers eine am Ende zu schwere Aufgabe sein.

5. Leseempfehlung: Vergesst DeAndre Levy nicht!

DeAndre Levy ist ohne jeden Zweifel ein interessanter Typ. Der Linebacker der Detroit Lions ist nicht nur der Mann, der seine Schuh-Sammlung für wohltätige Zwecke verkauftaktive (!) Vulkane runter rutscht, im Amazonas schwimmen geht oder auf einem Flieger stehend die Welt von oben betrachtet. DeAndre Levy ist ganz nebenbei auch einer der besten 4-3 Outside Linebacker der NFL und sollte in der kommenden Saison auch den Football-Massen nicht mehr verborgen bleiben.

Das Interview mit einem der (noch) am stärksten unterschätzten Spieler der NFL.

Ein Bonbon zum Schluss…

Training Camp ist auch immer die Zeit von lustigen Anekdoten und überflüssigen Camp-Fights. Kleine Auswahl gefällig?

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Für die Ausraster, wie zwischen den Boys und den Rams zu sehen, gibt es verschiedene Gründe. Jeff Saturday hatte einige ganz gute parat.

Adrian Franke

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5 Gedanken zu “Fünf Fragen zum Donnerstag (20.8.)

  1. 1.)
    Colts sehe ich ähnlich.
    Texans eher bei 8-8, aber ein Sieg mehr oder weniger ist eh müßig.
    Jaguars sehe ich vor den Titans. Zwischen 7-9 und 5-11
    Titans müssen sich mM strecken um auf 5 Siege zu kommen.

    Komplette Übereinstimmung zu Punkt 2.)

    3.)
    Aufgrund des Caphits geht er als QB No. 3 in die Saison.

    4.)
    Die NFC South ist mal wieder komplett unvorhersehbar. Nach der Verletzung sehe ich die Panthers nur noch auf dem dritten Platz.

    5.)
    Die NFC Northler wissen genau was Levy kann. Bärenstarker Spieler.

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    • Ich mag die Jags eigentlich ganz gerne, aber bin mir beim Running Game und der Defense einfach noch nicht sicher. Mit Fowler hätte ich sie auch vor die Titans gesetzt. Generell wird die Division einfach mal interessanter, wenn Clowney zurückkommt und natürlich mit Mariota+DGB.

      Ja, die NFC South ist echt ne Wundertüte. Vor der Benjamin-Verletzung hätte ich gesagt, im Prinzip kann die jeder gewinnen. Mein Favorit bleiben aber die Saints, bis ich von den Falcons Defensiv irgendwas sehe.

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  2. Mag die Jags auch ziemlich. Und auf RB haben die jetzt eine ganz gute Rotation. Dazu eine D die gerne unteschätzt wird. Auch wenn Fowler natrülich sehr fehlen wird.
    Von Clowney erwarte ich nicht viel. So eine Verletzung bei einem Quasi-Rookie. Sein Vorteil wird sicherlich die fehlende Aufmerksamkeit der Gegner wegen JJ und Wilfork sein. Doch das reicht noch nicht.
    DGB bin ich echt gespannt. Hatte anscheinend einen 30 Yardes vs, die Falcons am Wochenende, der scheint mir duchgerutscht zu sein…

    Ich sehe die Falcons vorne. Geb dir zwar recht mit der D, aber das sah bei den Saints letztes Jahr auch nicht viel besser aus. Zumal ich den Graham-Unger Deal als Lose-Lose Deal betrachte.

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    • Bei Clowney ist bei mir auch viel Hoffnung dabei. Hatte mich echt darauf gefreut, den neben Watt zu sehen, und das war letztes Jahr schon bitter. Wenn der richtig fit wird könnte Houston so eine brutale Front 7 haben.

      Für die Falcons spricht halt Ryan+Julio. Auf die Saints-Offense bin ich allerdings auch echt gespannt.

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  3. Pingback: Prediction Madness! | Free Blitzer

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