Spielzug erklärt: Das Slant-Konzept

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Ein NFL-Spielzug kommt im ersten Moment gerne kryptisch und unverständlich daher. Aber was steckt dahinter? Was sehen die Zuschauer eigentlich auf dem Platz? Und worauf gilt es, zu achten? Ein Erklärungsversuch in kleinen Häppchen. Heute: Das Slant-Konzept.

Wer sich schon einmal mit der West Coast Offense der San Francisco 49ers unter dem legendären Bill Walsh beschäftigt hat, der kam an mindestens einer Route beziehungsweise einem Route-Konzept nicht vorbei: Der Slant-Route, von der nicht wenige sprichwörtlich sagen, dass Jerry Rice sie bis in die Hall of Fame gelaufen ist.

Bei einer Slant-Route läuft der Receiver erst etwa fünf bis sieben Yards in Richtung der Endzone – je nachdem, wie schnell der Pass erfolgen soll, desto kürzer oder länger ist dieser erste Teil der Route – ehe er dann in einem 45-Grad-Winkel nach innen (also in Ballrichtung) sprintet.

Das kann dann beispielsweise, mit weiteren Route-Kombinationen, die mir persönlich sehr gut gefallen, so aussehen:

Slant Concept

Die Analyse: Die drei Wide Receiver (blau) laufen Slant-Routes, was allein für die Defense schon zu Komplikationen führen kann. An den Spots, an denen die drei Receiver aneinander vorbei laufen (die roten Kreise), können Rub-Routes entstehen. Bedeutet: Die Receiver laufen ihre Routes so, dass die Verteidiger, die sie decken, um den ihnen entgegenkommenden Receiver und den diesen Receiver verfolgenden Verteidiger herum laufen müssen. Insbesondere für Man Coverage ist das ein potentiell großes Problem.

Darüber hinaus passen aber auch die Routes des Tight Ends und des Running Backs gut in das Konzept. Der Running Back läuft in gewisser Weise unter den Routes, was es extrem schwierig macht, ihn an drei Receiver-Routes „vorbei“ zu decken. Der Tight End derweil geht in den vom linken Outside-Receiver frei geräumten Raum. Insbesondere gegen Man Coverage wird damit mutmaßlich ein Linebacker gezwungen, am Receiver vorbei zu laufen und der Tight End sollte für einen schnellen Pass relativ frei sein.

Slant-Routes können so für Defenses ungeheuer frustrierend sein, wenn sie die Offense perfekt beherrscht und tatsächlich eine Art Erweiterung des Run Games „durch die Luft“ sein. Was ich damit meine ist, dass sie der Offense im Idealfall sichere Completions mit kurzem Raumgewinn gibt, und die Offense sich so schrittweise bewegen kann – natürlich mit der Möglichkeit, dass ein Receiver durchbricht und einen langen Raumgewinn erzielt.

Der aktuelle Meister der Slant Route? Odell Beckham. Beckham ist so sensationell explosiv, dass er genau der Spielertyp ist, der jede Slant-Route in ein Big Play verwandeln kann. Ungeheuer schwer zu verteidigen ist beim Slant auch Falcons-Receiver Julio Jones, der im Vergleich zu Beckham nochmal eine ganz andere Physis mitbringt. Die Giants nutzen Beckham beim Slant ganz besonders gerne, ein Beispiel:

GiantsSlantQuelle: YouTube

Der Tight End auf Beckhams Seite (unterer Bildrand) läuft eine Flat-Route und zwingt somit den Safety, ihn zu verfolgen. Das kreiert genau den Rub-Effekt (gelber Kreis), die beiden Verteidiger nämlich laufen einander in den Weg. Der Linebacker in der Mitte beachtet die Inside-Route des Receivers, der Slot-Cornerback den Running Back – und so entsteht ein riesiger Raum zwischen dem Linebacker-Level und dem Free Safety.

Das „Freiräumen“ für Beckhams Slant über das Scheme sieht man bei den Giants immer wieder…

Beckham2Quelle: YouTube

…und wieder…

Beckham3Quelle: YouTube

…so dass der seine Explosivität im Raum einsetzen kann.

Beckham4Quelle: YouTube

Die Slant-Route ist ein absolutes Basic für alle Teams, die noch heute West-Coast-Elemente nutzen – und generell ist sie in jedem NFL-Playbook zu finden.

 

Adrian Franke

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2 Gedanken zu “Spielzug erklärt: Das Slant-Konzept

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