Spielzug erklärt: Das Smash-Seam-Konzept

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Ein NFL-Spielzug kommt im ersten Moment gerne kryptisch und unverständlich daher. Aber was steckt dahinter? Was sehen die Zuschauer eigentlich auf dem Platz? Und worauf gilt es, zu achten? Ein Erklärungsversuch in kleinen Häppchen. Heute: Das Smash-Seam-Konzept.

Wer die NFL in den letzten Jahren verfolgt hat, dem dürfte ein Trend kaum verborgen geblieben sein: Die Cover-3-Defense. Berühmt – wenn man das so nennen will – wurde sie mit den Seattle Seahawks, die mit der Cover 3 (bedeutet: drei Defensive Backs teilen sich den tiefen Part des Feldes untereinander in drei Zonen auf) als Basis ihrer Pass-Verteidigung den Super Bowl gewannen und die Liga über fast ein halbes Jahrzehnt defensiv dominierten.

Das führte, wie es immer im Football und im Sport generell der Fall ist, zu Nachahmern: Mehrere Coaches verließen Seattle und erhielten anderswo Jobs, die Cover-3-Defense brachten sie mit. Gus Bradley etwa in Jacksonville und jetzt bei den Chargers in L.A., oder Dan Quinn bei den Atlanta Falcons. Auch die Seahawks selbst spielen diese Defense noch immer gerne, wenngleich kein Team eine Coverage exklusiv spielt.

Im Umkehrschluss brauchten Offenses vermehrt und häufiger Antworten für diese Defense, und eine effiziente sowie beliebte ist das Smash-Seam-Konzept:

SmashSeam

Einen Offense-Terminus, den man im Zusammenhang mit der Cover-3-Defense immer hören wird, ist die sogenannte „Seam-Route“, im Schaubild dargestellt bei den beiden rot markierten Receivern. Ganz einfach gesagt ist mit einer Seam-Route ein Laufweg gemeint, der den Bereich zwischen zwei Coverage-Zonen attackiert. In der hier dargestellten Cover-3 also den zwischen dem Free Safety und einem der beiden Cornerbacks.

So gesehen ist es keine eigene Route per se (im Vergleich etwa zur Slant-Route, die einen klaren Laufweg vorgibt), sondern beschreibt eher den Bereich, den eine Route (beispielsweise eine Post-Route oder auch eine Go-Route) angreift – eben die Schwachstelle in der Zone Coverage direkt an der Grenze zwischen zwei Coverage-Zonen.

Kombiniert wird das mit einer Hitch-Route – auch als Smash-Route bezeichnet – durch die beiden Outside Receiver (blau) auf jeder Seite. Das soll die Cornerbacks dazu bringen, kurz zu zögern und möglicherweise einen fatalen Schritt nach vorne zu machen. Die Kombination aus Smash und Seam ist dabei entscheidend: Sie zieht die Coverage auseinander und lädt vor allem die Cornerbacks dazu ein, Fehler zu machen.

Die Rolle des fünften Receivers (im Schaubild der Running Back in grün) ist dabei für das Konzept nicht klar vorgegeben. Die hier abgebildete Angle-Route aber ist eine persönliche Präferenz zur Ergänzung des Konzepts: Sie bindet nicht nur einen Verteidiger in der Mitte, sollte sich der zuständige Linebacker oder Safety darüber hinaus zu weit außen postieren oder schlicht in der Route geschlagen werden, ist die Mitte des Feldes für den Running Back komplett offen.

 

Adrian Franke

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